Chinas Zentralbank übt sich weiter in Zurückhaltung. Trotz deutlicher Überhitzungserscheinungen im Investitionssektor lassen Zinserhöhungen nämlich weiter auf sich warten. Dabei haben chinesische Banken in den ersten vier Monaten des Jahres bereits 45 Prozent der für das Gesamtjahr geplanten Kredite vergeben. Die offizielle Reaktion auf dieses überschießende Wachstum bestand bislang in der Erhöhung der Mindestreservesätze chinesischer Geschäftsbanken und direkten Eingriffen am Immobilienmarkt (siehe Marktbericht Mai). Dass man von direkten Zinserhöhungen bislang abgesehen hat, hängt vermutlich mit der – im historischen Vergleich betrachtet – noch immer niedrigen Konsumentenpreisinflation zusammen.

 

Diese Betrachtung allerdings könnte sich schnell als zu kurzsichtig erweisen, da sie die Auswirkungen des chinesischen Wachstums auf internationale Preisentwicklungen nicht hinreichend berücksichtigt. Schließlich ist Chinas Wirtschaft heute rund zwei Drittel größer als noch vor fünf Jahren und bestimmt maßgeblich die Preisentwicklung auf den internationalen Rohstoffmärkten. Alleine in den vergangenen zwölf Monaten hat Chinas investitionsgetriebene Nachfrage zu einer Verteuerung der chinesischen Importe um 19,4% geführt, was sich deutlich in der Entwicklung der Einkaufs- und Produzentenpreise niedergeschlagen hat.
 
Angesichts steigender Dünger- und Kraftstoffpreise ist es wenig verwunderlich, dass die chinesischen Nahrungsmittelpreise seit mehreren Wochen wieder steigen. Dass die Preisanstiege bei höherwertigen Produkten wie Ingwer, Chili und Tee am massivsten sind zeigt, dass mittlerweile durchaus auch spekulatives Kapital seinen Weg an diese Märkte gefunden hat.

 

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